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Jahresauftakt IMPULS 2010

Fuldaer Generalvikar Prof. Dr. Gerhard Stanke zum Jahresauftakt der KAB
Gesellschaftliche Entwicklungen kritisch wahrnehmen und Stellung beziehen

Generalvikar Prof. Dr. Gerhard Stanke - Stv. Diözesanvorsitzender Egon Schütz - KAB Diözesanvorsitzender Klaus Schmitt - Stv. Diözesanvorsitzender Hubert WolfFulda - 16.01.2010. „Katholische Verbandsarbeit angesichts einer sich wandelnden Gesellschaft“ war das Motto der Jahresauftaktveranstaltung IMPULS 2010 der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) im Bistum Fulda. Referent des Themas war der Fuldaer Generalvikar Professor Dr. Gerhard Stanke. Vor dem Referat feierten die KAB´ler und viele Gäste zusammen mit dem Generalvikar sowie KAB Diözesanpräses Pfarrer Christian Sack und seinem Stellvertreter Pfr. Martin Lerg eine Heilige Messe in der Kapelle des Bonifatiushauses. 

In einer kurzen Predigt stellte Stanke die Notwendigkeit der Gemeinschaft in den Mittelpunkt. Als Jesu mit den Zöllnern und Sündern aß, ging es nicht um die Befriedigung leiblicher Bedürfnisse, sondern um das Zusammensein. Mit dieser für damalige Zeit ungewohnte Offenheit setzte Jesus ein Zeichen, Trennwände einzureißen und Vorurteile abzubauen. So sei es auch für die KAB wichtig, unvoreingenommen auf Menschen und Gruppierungen zuzugehen.

Dieser Tenor setzte sich in seinem Referat in der Aula des Fuldaer Bonifatiushauses fort.
Kolpingwerk Geschäftsführer Stefan Sorek - ehem. Vors. der AG Kath. Verbände Bruno Block - KAB Diözesansekretär Michael Schmitt - ehem. Vors. der AG Kath. Verbände Blanca DrescherOhne Rückschau zu halten sei es schwierig, aktuelle und künftige Aufgaben der Verbände zu formulieren, so der Fuldaer Generalvikar. Die Gründung der Verbände wie KAB, Kolping und Sozialdienst Katholischer Frauen seien Antwort auf gesellschaftliche Umbrüche wie der Industrialisierung und der damit entstehenden Arbeiterfrage im 19. Jahrhundert zu verstehen. Schon damals sei erkannt worden, dass Einzelne weniger ausrichten könnten als kompetente Engagierte in der Gemeinschaft. Mit dem Evangelium Jesu als Grundlage wuchs der Mut im Rahmen des wissenschaftlichen und technischen Fortschritts, immer mehr gestaltend in das Zusammenleben der Menschen hineinzuwirken. Die Arbeit wurde in einer sich immer schneller wandelnden Gesellschaft zunehmend politischer. Dabei ging die Initiative nicht von der offiziellen Kirche im Sinne eines Auftrags aus, sondern von Personen, die die Zeichen der Zeit sensibel wahrgenommen hatten und sich herausgefordert sahen. 

Auszuhalten sei das Spannungsfeld, einerseits die Identität zu wahren und sich andererseits im Dienst an den Menschen zu entäußern. Kirche und Verbände lebten zwar auf einer unumstößlichen Grundlage des Evangeliums, dies dürfe jedoch nicht zur Abschottung führen. Der Einsatz für den Menschen ohne Rücksicht auf das eigene Image begründe sich gerade auch aus dem Ursprung der Kirche. Konkret bedeute dies für Verbände sich für alle Menschen zu öffnen, nicht nur für die, die zur Kirche gehören. Es sei wichtig wahrzunehmen, was Menschen fühlen und denken, was sie bewegt.

Stanke sieht die Verbände in einer Scharnier-Funktion zwischen der Kirche und gesellschaftlichen Gruppen. „Der erste Auftrag der Verbände liegt meines Erachtens darin, die gesellschaftlichen Entwicklungen kritisch wahrzunehmen und in ihrer Bedeutung für eine humane Gesellschaft einzuschätzen“ so der Generalvikar. In einem zweiten Schritt gelte es Stellung zu nehmen und sich durch Handeln und Aufforderung zum Handeln einzumischen. In den Verbänden sieht Stanke einerseits Menschen mit hohen Kompetenzen vereint, die bereit sind, im Sinne des Evangeliums Verantwortung zu übernehmen und andererseits die Hoffnung, dass sie eine große Offenheit zur Zusammenarbeit als Verbände untereinander aber auch mit anderen gesellschaftlichen Gruppierungen zeigen. Beispielhaft verwies er dabei auf die Zusammenarbeit der KAB mit den Gewerkschaften im Kampf gegen verkaufsoffene Sonntage. 

Im Umfeld einer sich stark individualisierten Gesellschaft sieht Stanke ein großes Aufgabenfeld für die Verbände. Arbeitslosigkeit wie auch befristete Arbeitsverträge trügen zu einer starken Verunsicherung bei. Langfristige Lebensplanungen, gerade mit Blick auf Familie, würden erschwert, Familie und Beruf nur schwer miteinander zu vereinbaren. Zunehmende Ängste in Armut abzugleiten, das immer weitere Auseinanderklaffen zwischen Arm und Reich, die negativen Folgen der Globalisierung im eigenen Land wie auch in den Ländern des Südens stellten KAB, Kolping, SKF und KFD vor große gesellschaftliche Herausforderungen und erforderten immer wieder neue Initiativen.

„Wir haben eine großartige Botschaft zu verkünden, und die Menschen, jeder Einzelne, sind so kostbar, dass es alle Anstrengung KAB Diözesanvorsitzender Klaus Schmitt - Generalvikar Prof. Dr. Gerhard Stanke - Fuldaer Stadtrat Waldemar Eckertwert ist, sich für die Botschaft und für Menschen einzusetzen. Die Kraft und der Geist kommen von dem, der uns alle berufen hat“ ermutigte er zum Schluss seines engagierten Vortrags die Zuhörer.

In seiner Begrüßung hatte KAB Diözesanvorsitzender Klaus Schmitt, Neuses auf das Dreieck Institution Kirche, konfessionelle Verbände und Gesellschaft hingewiesen. Die vielfältigen Berührungspunkte und der gesellschaftliche Wandel machten ein ständiges „Neudenken“ der Zusammenhänge notwendig. Umso wichtiger sei das Bewusstsein für ein spirituelles Fundament, um grundsätzliche Standpunkte im täglichen Handeln nicht aus dem Auge zu verlieren. 

In Vertretung des Fuldaer Oberbürgermeisters lobte der ehrenamtliche Stadtrat Waldemar Eckert über die Aktivitäten der KAB. Mit Verweis auf die Diskussion um die verkaufsoffenen Sonntage betont er, dass die Verantwortlichen in den Kommunen die Wichtigkeit des Sonntags schätzen, aber manche widerstrebende Interesse gerade an dieser Stelle aufeinandertreffen. An den Menschen selbst liege es, deutlich zu machen, was jedem persönlich der Sonntag wert sei und damit möglichst wenig Arbeitskraft von anderen Menschen abzufordern. (Michael Schmitt)