Witzenhausen - 12.10.2009 - Mit einer ganztägigen Veranstaltung feierte die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) Bezirksverband Nordhessen im Haus St. Hildegard in Witzenhausen ihr 60-jähriges Bestehen. Eine Heilige Messe, zelebriert von KAB Bezirkspräses Pfarrer Martin Lerg, Hess.-Lichtenau und dem örtlichen KAB Präses Pfarrer Hans-Jürgen Wenner, ging dem Festakt voraus. Zu diesem konnte der KAB Bezirksvorsitzende Aloys Zumbrägel, Kassel neben vielen Mitgliedern Diözesanpräses Pfr. Christian Sack, die stellvertretende Diözesanvorsitzende Heike Mattern, Kassel und KAB Diözesansekretär Michael Schmitt, Fulda begrüßen.
In seiner Predigt betonte Bezirkspräses Lerg das notwendige Miteinander und die Solidarität der christlichen Arbeitnehmer untereinander. Mit der Hilfe Gottes sei es möglich, sich aus unwichtigen Verwicklungen zu befreien und auf das Wesentliche zu konzentrieren. „Nicht der Drang nach immer mehr und das Anhäufen von Gütern ist Lebenssinn, sondern das Teilen und damit Gott zu begegnen.“ so Lerg und verwies damit auf die Ebenbildlichkeit der Menschen mit Gott.
Unter dem Motto „Absage an einen unmenschlichen Markt“ referierten KAB Bezirkspräses Pfr. Martin Lerg und KAB Diözesansekretär Schmitt zur Sozialenzyklika Papst Benedikts XVI. „Caritas in veritate“. Die Sozialenzyklika wurde seitens der beiden Referenten einerseits als mahnendes Schreiben des Kirchenoberhaupts an Verantwortliche in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft bewertet, insbesondere aber auch als Grundlagenpapier für die sozialpolitische Arbeit der KAB. Einmal mehr mache ein päpstliches Schreiben deutlich, dass der Mensch Vorrang vor dem Kapital haben müsse. Gerechte Entlohnung wie auch das Recht auf Bildung seien wichtige Faktoren eines funktionierenden Gemeinwesens. Dabei sei es wichtig, dass alle Menschen den freien Zugang zu Bildung hätten. Gemeint sei damit nicht nur die elementare Schulbildung sondern auch die Möglichkeit für lebenslanges Lernen.
Die Überwindung der Massenarbeitslosigkeit nicht nur in Deutschland sondern in ganz Europa sei ebenso ein angestrebtes Ziel wie die Einführung von Mindestlöhnen. „Mindestlöhne sind kein Selbstzweck, sondern sollten ein Mittel sein, sicherzustellen, dass Arbeitnehmer auch von ihrem Gehalt ein würdiges Leben führen können“ so Schmitt. Ein besonderes Augenmerk sei auch auf den Schutz der Sonn- und Feiertage zu richten.
In einem weiteren Teil gingen Lerg und Schmitt auf die Problematik der Globalisierung ein. Weder gesunde Ernährung, sauberes Trinkwasser und notwendige medizinische Versorgung sind in vielen Ländern des Südens gewährleistet. „Im Hochland Guatemalas leben in einem Departement 80.000 Menschen, für diese steht an einem Tag in der Woche ein Arzt zur Verfügung, und der ist für die meisten Menschen nicht bezahlbar“ weiß Michael Schmitt von seinen Projektreisen nach Mittelamerika beispielhaft zu berichten. Sich klar z.B. gegen eine Privatisierung von Wasserrechten und Patentierung von Saatgut aussprechend forderten die Referenten unisono von den Industriestaaten einen verstärkten Einsatz für die Entwicklungszusammenarbeit.
In einer angeregten Diskussionsrunde wies der Witzenhausener KAB Präses Pfarrer Hans-Jürgen Wenner auf die Verantwortung der Verbraucher hin. „Produkte, die mit ausbeuterischer Kinderarbeit hergestellt worden sind“ sollten gemieden werden, warb er insbesondere für den fairen Handel. Wichtig sei auch, ein faires Verhalten gegenüber den heimischen Landwirten. Damit plädierte er nicht nur für das Prinzip der Regionalität sondern insbesondere auch für angemessene Bezahlung.
Nach Glückwünschen der stellvertretenden Diözesanvorsitzenden Heike Mattern an den Bezirksverband zum 60-jährigen Bestehen hielt der Bezirksvorsitzende Aloys Zumbrägel den Festvortrag. Auf die erreichten Ziele der KAB in den letzten 6 Jahrzehnten eingehend, dankte er den vielen Frauen und Männern des Verbandes, die für diese Ziele standen und arbeiteten. „Und so hoffe ich, dass auch in Zukunft sich genug Menschen finden, sich für etwas mehr Gerechtigkeit zu engagieren“ so Zumbrägel. Dabei gab er zu bedenken, dass es verhältnismäßig schwierig sei, Menschen für diese Arbeit als ehrenamtliche Mitarbeiter zu gewinnen. Hier wirke sich auch die demographische Entwicklung in Deutschland aus. Die Unterstützung von Familien, die Absicherung der Rente um Altersarmut zu verhindern wie auch die Einkommenssicherung für Arbeitnehmer seien zentrale Themen, an denen die KAB auch in Zukunft intensiv mitarbeiten muss.
(Text: Heinrich Freienstein/Michael Schmitt - Foto: Michael Schmitt)






