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Keine Durchbrüche beim Klimaschutz in New York

Bischof Ramazzini (rechts) mit KAB Diözesanpräses Pfr. Sack und Übersetzerin Frank

Guatemaltekischer Sozialbischof Alvaro Ramazzini in Fulda zu Besuch

Fulda - 25.09.2009. Auf Einladung des Solidaritätswerks der KAB Fulda und der Agenda Arbeitsgruppe Faires Fulda referierte der guatemaltekische Bischof Alvaro Ramazzini im Fuldaer Stadtschloss zum Thema „Voneinander wissen - miteinander Handeln“. Insbesondere seine Eindrücke vom Klimaforum in New York interessierten eine große Zahl von Besuchern. Als Angehöriger einer Kommission von CIDSE (Internationale Arbeitsgemeinschaft für Entwicklung und Solidarität, die von 15 großen katholischen Organisationen Europas und Nordamerikas getragen wird, u. a. von Misereor) wohnte Ramazzini Gesprächen und Verhandlungen mit einigen Umweltministern Europas bei. 

In seiner Heimat zeige sich der Klimawandel deutlich. Die gestiegene Zahl von Hurrikans und Erdrutschen, seit Jahren zunehmend trockenere Winter und als Folge davon Missernten wie auch die Zunahme von Malaria und Denguefieber seien auf die Erderwährung zurückzuführen. „Mit unserer Delegation haben wir versucht, den Blick Nordamerikanischer und Europäischer Umweltpolitiker, darunter einige Minister, auf die Länder des Südens zu lenken“ so Ramazzini und weiter „für die Menschen in den armen Ländern ist die Klimakatastrophe dramatisch“. Nur eine Einigung der Industrienationen in der Wirtschaft den Aspekt „Nachhaltigkeit“ stärker zu betonen und z. B. vermehrt auf regenerative Energien zurückzugreifen, könne Hoffnung auf Besserung geben. „Wir brauchen andere Wirtschaftsmodelle“ so der engagierte Oberhirte aus San Marcos gerade auch im Blick auf die Schwellenländer. Während ihm eine gewisse Enttäuschung über die Ergebnisse beim Klimagipfel in New York anzumerken war, forderte er die in Deutschland in der Entwicklungszusammenarbeit engagierten Nichtregierungsorganisationen wie die KAB auf, sich verstärkt über die Nationalen Politiker für ein wegweisendes Klimaschutzabkommen einzusetzen. 

Auf die Situation in seiner Heimat eingehend sprach Ramazzini von der zunehmenden Verarmung der Bevölkerung. „Welche Perspektiven bieten sich unsere Menschen in Mittelamerika, wenn sie feststellen, dass das meiste Geld mit Drogen-, Waffen- und Menschenhandel zu verdienen ist“. Kaffeebauern könnten ihre Familien meist nur dann vernünftig ernähren, wenn sie das Glück hätten als Kleinbauernfamilien in Kooperativen zu arbeiten, die im internationalen Fairtrade-System eingebunden sind. Die Campesinos auf den Großgrundplantagen seien in der Regel unterbezahlt und lebten immer noch in sklavenähnlichen Verhältnissen. Man wisse, dass die extreme Abhängigkeit vom Kaffeemarkt aufgeweicht werden muss, doch die zur Zeit von internationalen Konsortien forcierten Alternativen führten in eine Sackgasse. Dies machte er an der zunehmenden Zahl von Monokulturen mit Afrika-Palmen und Zuckerrohr deutlich, die zur Ethanolherstellung in Brasilien verwandt werden. Der extreme Mehrbedarf an Ethanol der Industrie weltweit führe zwar zu kurzfristigen Einkommenssteigerungen aber auch gleich wieder in neue Abhängigkeiten. Vielmehr müssten die vorhandenen durchaus positiven Bedingungen genutzt werden, Lebensmittel für den Eigenbedarf zu produzieren und darüber hinaus auch weiter mit Kaffee zu handeln. Eine gerechte Landverteilung, vom Gesetz her vorgesehen, aber nie paktiziert, sei Grundvoraussetzung. „Wir haben ein fruchtbares Land und der Faire Handel ist für unsere Landarbeiter eine große Chance, vernünftige Landwirtschaft zu betreiben, unsere Ernährungsgrundlage zu sichern, eine gerechtere Bezahlung zu erhalten und aus dem Sog der Verteilungsproblematik herauszukommen“ verwies Ramazzini auch mit Blick auf die Faire Woche in Deutschland und bedankte sich ausdrücklich für das Kaffeeprojekt der Fuldaer KAB. 

In seiner weiteren Analyse zur Situation in Guatemala, die sich in vielen lateinamerikanischen Ländern ähnelt, stellte Ramazzini immer wieder fest, dass vor allem die indigene Bevölkerung in der globalisierten Welt kaum eine Lobby habe. Er fasste dies u. a. mit dem Zitat aus dem Matthäus-Evangelium (22,35-40) zusammen „Jesu sagte, du sollst deinen Gott aus ganzem Herzen lieben und er schließt daran an, auch deinen Nächsten“ so der Bischof und weiter „diese Worte hören viele Politiker und Wirtschaftler, aber danach handeln tun sie nicht“. Hoffnung verspricht er sich für seine Heimat durch die vielfältigen Partnerschaften mit Gruppierungen in Europa und Nordamerika „Setzen sie sich für die Menschen in den armen Ländern ein, da wo Sie tätig sind, da wo Sie hier Einfluss haben.“ 

In einem Grußwort hatte zuvor der Fuldaer Oberbürgermeister Gerhard Möller Bischof Ramazzini willkommen geheißen. Als Schirmherr der Veranstaltungen der Agenda-Arbeitsgruppe Faires Fulda in den Fairen Wochen verwies er auf die wichtigen Verhandlungen in New York und Pittsburgh und gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass der Globalisierungsgedanke nicht nur auf die Wirtschaft, sondern auch auf die Soziale Gerechtigkeit projiziert werden möge. (Michael Schmitt)